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GESCHICHTSVEREIN ADLISWIL: Adliswiler Geschichte(n) - Dezember 2006

"Bomben im Sihltal"

So wie wir heute eine Bedrohung durch den internationalen Terrorismus kennen, gab es in der zweiten Hälfte des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine ähnliche Bedrohung durch international tätige Anarchisten. Unter den verschiedenen anarchistischen Richtungen gab es eine kommunistische, deren Anhänger glaubte, dass nach der Beseitigung des Privateigentums eine Kollektivordnung ohne Zwang entstehen würde. Die Grenze zwischen den kommunistischen Anarchisten und den Sozialisten war fliessend, Sozialisten und Sozialdemokraten wurden deshalb von den Polizeikräften argwöhnisch beobachtet.

Als Zufluchtsort für politische Flüchtlinge aus ganz Europa war Zürich auch eine Drehscheibe des internationalen Anarchismus. Anfang des 20. Jahrhunderts gelangten die kantonalen Polizeibehörden nach mehreren Bombenanschlägen und Bombenfunden in Zürich zu der Überzeugung, dass hier eine Schule für die Herstellung von Bomben existieren musste. Der Sozialist und Antimilitarist Dr. Friedrich Brupbacher wurde verdächtigt, diese Schule zu betreiben.

Vor hundert Jahren, am 13. November 1906, fanden Passanten ca. 600 Meter unterhalb der Station Sihlwald, in der Nähe des Tobelbachs, neben der Strasse zwei Sprengbomben. Sie alarmierten den Posten Adliswil der Kantonspolizei. Soldat Eggler gab die Meldung nach Zürich weiter und schwang sich dann auf sein Velo, um die Situation selbst in Augenschein zu nehmen. Am Fundort angekommen, überzeugte er sich davon, dass die gefundenen verdächtigen Gegenstände den Bomben ähnelte, die man am 1. August 1906 in Zürich auf dem Platzspitz gefunden hatte. Die Erkenntnis, dass man Tatorte für die erkennungsdienstliche Behandlung unverändert lassen sollte, war damals noch nicht überall hin vorgedrungen. Daher lud Eggler pflichtbewusst die beiden scharfen Bomben auf sein Velo und transportierte sie, begleitet von einer Schar Neugieriger, zur Polizeistation Adliswil.

Ob Soldat Eggler für seine Heldentat eine Auszeichnung oder Belobigung erhielt, ist leider nicht überliefert. Die Tatsache, dass keine Spuren am Fundort gesichert werden konnten, hat aber den überaus tüchtigen kantonalen Polizeiapparat nicht daran gehindert, die Täterschaft ausfindig zu machen. In den folgenden Jahren wurden die Sozialdemokraten und Gewerkschafter in Zürich und auch im Sihltal besonders intensiv beobachtet. So wurden anlässlich der Maifeiern die Station der Kantonspolizei in Adliswil jeweils um zwei bis vier Personen verstärkt. Schliesslich verwies die Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit den Bombenfunden am Platzspitz in Zürich und an der Station Sihlwald im Frühjahr 1908 mehrere politische Flüchtlinge des Landes.

Quellen: Staatsarchiv des Kantons Zürich, Akten der Verbrechen verfolgenden Polizei: Kommunisten, Sozialisten, Anarchisten 1843-1926, P239.9a(1), P239.9b(111), P239.9(115).

Wolfgang Liedtke

 
 
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