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GESCHICHTSVEREIN ADLISWIL: Adliswiler Geschichte(n) - April 2007

"Ben Hur" in Adliswil

Im Februar 1972 endete mit dem Film "Draculas Lustschloss" die Kino-Ära in Adliswil: Das Kino "Albis" an der Albisstrasse 20 (heute "Helmi-Sport") schloss nach über 20 Betriebsjahren für immer seine Tore. Mit der Grossüberbauung "Sihlcity" ist in diesen Tagen das Kino zwar nicht nach Adliswil, aber immerhin ins Sihltal zurückgekehrt.

Das alte Kino "Albis" und das neue Kino in "Sihlcity" haben eines gemeinsam, das für uns ganz selbstverständlich ist: Beide Kinos sind stationär. Die Leute müssen hingehen, wenn sie einen Film sehen wollen. Solche Kinos gab es in Zürich seit 1907. Daneben aber gab es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch Wanderkinos, die in die Dörfer zu den Leuten gingen. Das bedeutendste in unserer Region war das Wanderkino von Willy Leuzinger (18781935). Der gelernte Mechaniker war ursprünglich Gastwirt in Rapperswil, wo er 1906 in seiner Wirtschaft "Zum Hecht" die ersten Filme zeigte. Mit grosser Leidenschaft und viel Mut zum unternehmerischen Risiko baute Leuzinger das Kinogeschäft immer weiter aus. Ein wichtiges Standbein wurde dabei sein Wanderkino, das er mit Hilfe seiner Familie und einigen Angestellten 1919 nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bis ins Jahr 1942 auf unzählige Tourneen durch die Region des Zürichsees und darüber hinaus schickte.

Während einer solchen Tournee zeigte das Wanderkino Leuzinger in den Jahren 1929 bis 1931 an nicht weniger als 110 Gastspielorten in insgesamt 422 Vorstellungen den Monumentalfilm "Ben Hur", die bis dahin teuerste Filmproduktion aus den USA mit einzelnen Sequenzen in Farbe. Am 30. und 31. Juli 1929, im ersten Tourneejahr also, gastierten Leuzingers Tochter Martha und der Operateur Ernst Fritz in Adliswil. Gezeigt wurde der Film in einem "elegant eingerichteten" Kinozelt, das an der Adliswiler Chilbi aufgestellt wurde und das gemäss Werbung "eine Fülle der exquisitesten Genüsse auf dem Gebiete der Lichtspielkunst" versprach. Zu diesen "Genüssen" gehörte es auch, dass der Stummfilm mit Musik ab Grammophon begleitet wurde.

Nicht jede Tournee des Wanderkinos Leuzinger umfasste derart viele Gastspielorte wie jene mit "Ben Hur". Adliswil aber wurde bis ins letzte Betriebsjahr 1942 immer wieder berücksichtigt. Danach beschränkte sich Leuzingers Tochter auf den stationären Kinobetrieb.

Der Kinopionier Willy Leuzinger brachte mit seinem Wanderkino aber nicht nur qualitätvolle Spielfilme wie "Ben Hur" oder das Monumentalepos "Die Nibelungen" von Fritz Lang in die Dörfer Leuzinger filmte auch selber regionale Ereignisse wie die Beisetzung von General Wille 1925, das Zürcher Sechseläuten 1926 und die verschiedensten Festveranstaltungen. Diese Filme liefen dann jeweils im Vorprogramm als regionale Wochenschau, bei der sich der eine oder andere auf der Leinwand selber sehen konnte. 1924 kam Leuzinger auch nach Adliswil und filmte am 27. Juli die Adliswiler Chilbi vermutlich die ältesten Filmaufnahmen aus unserem Dorf! Leider sind die Aufnahmen verloren gegangen, im Unterschied etwas zu den Aufnahmen von der Chilbi in Horgen, die Leuzinger eine Woche später gemacht hat.

In Rapperswil hat das "Cinema Leuzinger" bis heute überlebt, ebenso das Firmenarchiv, das in den letzten Jahren professionell aufgearbeitet worden ist. Besuchen Sie die Homepage www.filmarchiv-leuzinger.ch und schauen Sie sich den Film von der Chilbi in Horgen an (zu finden in der Rubrik "Kinosäle und Wanderkino")!

Christian Sieber

 
 
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